17 Feb 2014
Publiziert von Hans-Christian Psaar

Die nächste Runde im Fall um die negativen Yelp Bewertungen

Es kommt Bewegung in den Streit um Yelp und die schlechten Bewertungen von Unternehmen. Heute ging die Miteilung durch die Presse, dass ein Kölner Rechtsanwalt Klage gegen Yelp eingereicht hat, wie heise darüber berichtet.

Worum geht es? Die vormals eigenständigen Bewertungsplattform für lokale Unternehmen Qype.de wurde vom internationalen Mitbewerber Yelp aufgekauft. Qype wurde mit Yelp verschmolzen und alte Nutzerprofile sowie Bewertungen teilweise migriert. Es wird seitdem – und hier liegt der Knackpunkt – ein Filter-Algorithmus eingesetzt, der bestimmte Nutzerbewertungen als „andere Beiträge, die momentan nicht empfohlen werden“ markiert und nicht anzeigt. Einfach gesagt ist das eine Art Spamfilter, wobei hier nicht offenkundiger Spam ausgefiltert werden soll, sondern alle denkbaren unproduktiven Beiträge. Dabei werden wahrscheinlich Faktoren wie Aktivität des jeweiligen Nutzers auf Yelp mit einbezogen. Ähnlich wie beim Google-Suchalgorithmus weiß man allerdings als Außenstehender nicht, wie die Software genau arbeitet.

Und das Dumme ist in diesem Fall: in diesem Filter landen scheinbar vorrangig wohlmeinenden Beiträge zum jeweiligen Unternehmen. Es gibt jede Menge Berichte von betroffenen Firmen, deren Durchschnitts-Bewertung stark nach unten absackte.

Auch Händler, die ich betreue, hat es getroffen. Aus einem ehemals gut bewerteten Ladengeschäft in Prenzlauer Berg wurde ein schlecht bewertetes Unternehmen. Alle guten Bewertungen (und es handelte sich dabei nicht um Fake-Reviews) vielen dem neuen Filter zum Opfer, übrig blieben zwei meckernde Kunden, die den Schnitt massiv nach unten drückten. Gegenmaßnahmen: nicht möglich. Sämtliche Versuche zufriedene Kunden zum Bewerten aufzufordern wurden vereitelt, da diese Bewertungen gleich durch das Raster von Yelp fielen.

Warum, darüber kann man nur mutmaßen. Vermutlich folgt dies getreu der Logik: entweder du machst aus deinen Bewertungen einen unbezahlten Halbtagsjob (und lieferst gratis Content für unsere Plattform), oder deine Bewertungen sind hier leider nichts wert.

Ob man nun gegen Yelp Klage erheben mag, möge jeder für sich beantwortet. Durch die obige Klage mit Pressemitteilung kommt Yelp allerdings nun in Zugzwang. Es ist sicher keine gute PR, wenn ein Unternehmen mit solchen Negativ-Schlagzeilen konfrontiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass hier endlich die Verantwortlichen wachgerüttelt werden und der Änderungsbedarf Ernst genommen wird.

Was man bis dahin als Selbsthilfe umsetzen kann: Kunden direkt zum Bewerten auffordern. Sprechen Sie Ihre Kunden oder Stammkunden an und bitten Sie diese um Review auf der Plattform. Dies dürfte die beste Strategie sein, um aus der Negativ-Falle zu entkommen.

Weitere Lesetipps:
http://netzwertig.com/2013/11/15/es-kam-wie-es-kommen-musste-yelp-vergeigt-die-abwicklung-von-qype/
http://pabstblog.de/2013/11/wem-gehoeren-die-internetbewertungen-eines-unternehmens/
http://sozialgeschnatter.wordpress.com/2013/11/12/yelp-vs-qype-attacke-des-killer-filters-inkl-presseschau/

1 Kommentar

  1. von Jeanette

    Ich habe nun folgenden Text in mein eigenes Yelp-Profil gesetzt:

    Liebe Kunden und Freunde,
    nach den äußerst negativen Erfahrungen hier auf dem Portal, bitten wir Sie höflichst, von weiteren Bewertungen unseres Geschäftes “Die Lichtformer” Abstand zu nehmen!
    Mit den laufenden Deaktivierungen durch Y. erhalten wir leider eher einen negativen Eindruck und das ist auf Dauer kontraproduktiv, bzw. geschäftsschädigend.
    Herzlichen Dank!

    http://www.yelp.de/biz/die-lichtformer-w%C3%BCrselen

    Antworten

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