ticket2go Erfahrungen – funktioniert die Ticket App in Baden-Württemberg?

Ticket einfach mit dem Handy buchen und durch ganz Baden-Württemberg fahren? Das soll die App ticket2go bald können. Bisher sind einige Verkehrsverbünde angeschlossen und es werden zunehmend mehr.

Ich sollte herausfinden, ob die App auch leistet was sie verspricht. Denn ich wollte mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Mannheim nach Karlsruhe fahren.

Bisher: im VRN Bereich Rhein-Neckar

Bisher habe ich die ticket2go App nicht genutzt, da der hiesige Verkehrsverbund Rhein-Neckar VRN, eine eigene App für den Luflinientarif hat. Diese App, “VRN eTarif”, nutze ich fleißig, weil sich damit gutes Geld sparen lässt.

Wenn ich etwa zu einem Familienbesuch in die Pfalz fahre, zahle ich statt 9,20 Euro Regeltarif per Luftlinie nur 6 Euro. Das ist sehr viel günstiger.

Bisher hatte ich mit diesem Tarif und der zugehörigen App des Verkehrsverbunds, der auch nie Probleme. Die funktioniert absolut zuverlässig und die App berechnet die Fahrpreise richtig.

Ebenso gibt es eine zweite App für die regulären Tickets ohne Luftlinientarif. “VRN Ticket” heißt diese. Und diese App macht auch exakt das, was sie soll: ein Ticket erzeugen. Auch damit hatte ich bisher keine Probleme. Genutzt hatte ich diese auf Android und iOs.

Der Streßtest: von Mannheim nach Karlsruhe

Letzte Woche musste ich zu einem Termin von Mannheim nach Karlsruhe. Beide Städte liegen in unterschiedlichen Verkehrsverbünden, einmal dem VRN und dem Karlsruher Verkehrsverbund KVV.

Beide Verkehrsverbünde grenzen direkt aneinander an und beide sind in der ticket2go App als teilnehmende Partner angegeben. Den Deutsche Bahn-Anteil würde ich im Regionalzug fahren.

Die Fahrt sollte damit eigentlich kein Problem darstellen. Oder wie es in England heißt: What could possibly go wrong?

Ich sollte es herausfinden.

Meine Verbindung von Mannheim nach Mörsch, bei Karlsruhe sah so aus:

RNV 1 Straßenbahn Mannheim, Alte Feuerwache – Mannheim Hbf
RB 38827 Regionalbahn Mannheim Hbf -Hagsfeld Bhf
S2 Hagsfeld Bhf- Mörsch, Römerstraße

Auf der Online-Auskunft von VRN wurde mir die komplette Verbindung zwar angezeigt, aber mit „Keine Preisangabe“ markiert. Ich erhielt den Hinweis: „Bei indirekten Verbindungen (mit einem Zwischenhalt) oder bei Fahrten außerhalb des Verbundgebietes kann der Preis aktuell nicht berechnet werden.“

Das ist verständlich. Schließlich liegt gut die Hälfte des Weges in einem anderen Verkehrsverbund, dem KVV. Der VRN Verbund endet auf dieser Strecke in der Stadt Wiesental. Das könnte mir auch egal sein – die ticket2go App erledigt schließlich die Berechnung.

Auf der Hinfahrt loggte ich mich vor dem Einsteigen in die Tram in Mannheim in der App ein und startete eine Fahrt.

Allerdings erwartet mich bei Ausstieg und Beendigung der Fahrt in der App die erste Überraschung: „Fahrt kann nicht bepreist werden“.

Wenn ich nichts zahlen muss und sogar ein valides Ticket hatte – schön! Aber man kann sich denken, dass auf die Hinfahrt eine Rückfahrt folgte. Ich nahm dieselbe Route zurück, beendete die Fahrt allerdings schon früher:

S2 Straßenbahn Mörsch, Römerstraße –  Hagsfeld Bhf
RB 38846 Regionalbahn Hagsfeld Bhf – Mannheim Hbf

Tja. Und hier konnte die Fahrt „bepreist“ werden, um im Wording von ticket2go zu bleiben. Und zwar mit stolzen 27 Euro. Zum einen mit 2 Euro für einen Anteil im Verkehrsverbund KVV. Zum anderen mit 25 Euro für ein Ticket „DB Flexpreis Preisstufe A“.

Ich war ziemlich überrascht. Denn die Fahrt von Hagsfeld Bhf nach Mannheim Hbf kostet laut bahn.de nur 14,60 Euro Flexpreis. ICE bin ich nicht gefahren; es hält auch kein ICE in Hagsfeld. Die App scheint allerdings den ICE-Flexpreis berechnet zu haben.

Vorläufiges Fazit meiner Buchung: 2 Fahrten gebucht, beide wurden falsch berechnet.

Was hätte die Fahrt überhaupt gekostet?

Ich rechnete danach mal eben selbst nach. Eigentlich war die Aufgabe einfach.

Berechne die Fahrt von Starthaltestelle bis ans Ende des ersten Verkehrsverbunds (VRN).
Berechne als nächstes die Fahrt von Beginn des zweiten Verkehrsverbunds (KVV) bis zur Endhaltestelle.

Ich habe nochmal überprüft, dass ich keinen Fehler gemacht habe. Auf den Online-Auskünften beider Verkehrsverbünde wird mir dieselbe Regionalbahn auch als Verkehrsmittel angezeigt.

In dem Fall gibt es eine Überschneidung in der Stadt Wiesental (Baden) der beiden Verkehrsverbünde. Dort gelten die Fahrscheine beider Regionen. Wenn ich selbst die Berechnung vornehme, sieht das also folgendermaßen aus:

VRN Anteil: Mannheim, Alte Feuerwache – Wiesental, Bhf
9,20 Euro regulär oder 7,20 Euro Luftlinientarif

KVV Anteil: Wiesental Bhf – Mörsch, Römerstraße
6,10 Euro

Ich hätte für die Hinfahrt 15,30 Euro mit zwei Einzelfahrscheinen oder 13,30 Euro mit VRN Luftlinientarif gezahlt. Die Rückfahrt hätte exakt denselben Preis gekostet.

Selbst buchen als Alternative zu ticket2go

Und damit kenne ich die Alternative: ich kaufe einfach direkt die Tickets der beiden Verkehrsverbünde. So kann ich sicherstellen auch die richtigen Tickets zu bekommen – zum richtigen Preis.

Alles was ich benötige sind pro Fahrt zwei Fahrscheine: einen für die VRN und einen für die KVV. Und diese kann ich über die Apps der jeweiligen Verkehrsverbünde selbst buchen.

Vor der Ära der Smartphone Tickets wäre diese Art der Buchung überhaupt nicht möglich gewesen. Denn dann hätte ich in Wiesental – im 2. Verkehrsverbund – ein neues Ticket kaufen müssen. Das heißt aus dem Zug aussteigen. Alternativ hätte ich im Vorfeld ein Anschlussticket der Deutschen Bahn an einem DB Automaten kaufen können.

Da wäre aber noch etwas Grundlegendes… Preistransparenz

Ich habe beruflich mit Online Shops zu tun. Ich stelle mir rein hypothetisch einen Online Shop vor, der ohne Preise auskommt. Kunden können dort zwar Waren bestellen und erhalten ihre Bestellungen, die Preise erfahren sie aber erst hinterher.

Genau – das wird es niemals geben. Die Preise in Online-Shops müssen transparent sein. Das ist verbraucherfreundlich und gut. Und teilweise auch schon wieder zu extrem. Wenn ich mir ansehe, wie penibel etwa die Preisangabenverordnung ausgelegt wird.

Bei Fahrkarten scheint diese Art von Intransparenz bei Preisen aber legal zu sein.

Ich habe als Kunde keine Möglichkeit bei ticket2go im Vorfeld festzustellen, was mich die Fahrt voraussichtlich kosten wird. Noch nicht einmal als Schätzung.

Ehrlich gesagt ist das auch das Problem bei anderen Luftlinientarifen. In den meisten Fällen weiß ich vor Antritt der Fahrt, wo ich aussteigen möchte. Und ich würde ganz gerne wissen, was die Fahrt kosten wird – bevor ich sie antrete.

Ich möchte nicht bei jeder Fahrt auf einen „Risiko!“ Knopf drücken wie bei einem Glücksspielautomaten. Bei dem ich nicht weiß, wie viel ich für die Dienstleistung zahle. Und dann hinterher dem Kundenservice erklären kann, dass die Preise nicht stimmen.

Dass die Berechnung der Preise für die App unglaublich kompliziert ist, kann ich allerdings nachvollziehen. Jeder einzelne Verkehrsverbund hat eine eigene Logik implementiert, wie Fahrten abgerechnet werden. Und diese Logik automatisiert abzubilden ist kompliziert.

Fazit

In der Theorie ist ticket2go eine feine Sache – in der Praxis dagegen bisher nicht.

Da ich nicht sicher gehen kann, den richtigen Fahrpreis zu zahlen, werde ich bei der nächsten verbundübergreifenden Fahrt meine Tickets selbst buchen – ohne die ticket2go App.

Ich selbst habe jetzt nach einigen Stunden der Recherche herausgefunden, wieviel das Ticket überhaupt kostet, wenn ich es selbst buche. Auch wenn ich dazu mit 2 Apps jonglieren muss. Das ist deutlich stressfreier, als während der Fahrt darüber zu rätseln, welcher Fahrpreis danach auf der Rechnung stehen wird.

Ich habe erstmal den Support kontaktiert und ich hoffe, dass diese Berechnungsfehler behoben werden und künftig nicht mehr auftauchen.

Und das ist die Ironie an dieser Geschichte. Die Technik macht das Leben nicht einfacher. Ich tausche ein Problem gegen ein anderes ein. Fast so wie Hans im Glück. Davor hatte ich undurchsichtige Fahrpreisberechnung durch Wabensysteme in Verkehrsverbünden. Jetzt habe ich undurchsichtige Fahrpreisberechnung in der Black Box ticket2go.

Link zur Website der App: http://ticket2go.online/


Weiterführende Lektüre zum Thema anderensorts mit BVG-Apps in Berlin:

Kathrin Passig

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